Exkurs: Anwaltssorgfalt

Der Anwalt haftet für eine sorgfältige, störungsfreie Mandatsführung.

Leistungsstörungen treten ein bei:

Unsorgfältige Mandatsführung sind in der Praxis besonders bedeutsam, v.a. wenn der Anwalt folgende Grundsätze nicht beachtet hat (vgl. WEBER ROLF, a.a.O., N 26 zu OR 398):

  • Sachgerechte Analyse
    • Auftragsart
    • Auftragsumfang
    • Auftragszeitdauer
    • Auftragserfolgsaussichten
  • Weitsichtige Planung der Mandatserfüllung
  • Bearbeitung der sich stellenden Probleme mit hohem Berufsstandard
  • Kritische Selbsteinschätzung zur Vermeidung eines sog. „Übernahmeverschuldens“
    • Anwalt hat für eine Mandatsannahme zu leisten im Stand zu sein:
      • in qualitativer Hinsicht
      • in quantitativer Hinsicht
      • in terminlicher Hinsicht

Lehre und Rechtsprechung stellen sehr hohe Anforderungen an die anwaltliche Sorgfalt (vgl. FELLMANN WALTER, a.a.O., N 407 ff. zu OR 398):

  • objektiv richtige Beratung und Vertretung des Klienten
  • Keine Mandatsbearbeitung ohne gründliche Einarbeitung in ihm unbekannte Themen und / oder Rechtsgebiete
  • Keine Mandatsannahme, wo Spezialkenntnisse erforderlich sind
  • Pflicht zur seriösen Aufklärung des Klienten über Gefahren und Erfolgsaussichten in einem Rechtsstreit
    • bei Laien
      • Besonderes Engagement bei der Prozessberatung von Laien
    • bei Profis wie Inhouse-legal des Unternehmenskunden
      • Eigenes Beurteilungsvermögen
      • Obliegenheit des Unternehmensvertreters, bei einer Unsorgfaltsfeststellung den Anwalt sofort abzumahnen
        • Unterlassung kann ein haftungsbeschränkendes oder haftungsausschliessendes Selbstverschulden bewirken (vgl. OR 44 i.V.m. OR 99 Abs. 3)

Als klassische Unsorgfaltsfälle gelten (vgl. FELLMANN WALTER, a.a.O., N 418 zu OR 398):

  • Fristversäumnis
  • Verabredung einer Vergleichsvereinbarung anders als mit dem Klienten verabredet
  • Unvollständige Sachverhaltsabklärung
  • Wissenslücken im Recht
  • Unterlassende Verjährungsunterbrechung
  • Wahl eines suboptimalen Weges zur Erreichung des angestrebten Zieles

In diesen Fällen wird der Anwalt schadenersatzpflichtig.

Hiezu vergleiche:

Klausel betreffend Beschränkung der Haftung auf grobe Fahrlässigkeit?

Eine Klausel im Mandatsvertrag, wonach die Haftung des Anwalts auf Fahrlässigkeit beschränkt wird, ist standeswidrig und nichtig (vgl. FELLMANN WALTER, a.a.O., N 418 zu OR 398).

Weiterführende Literatur

  • WEBER ROLF, Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Basel/Frankfurt, 1992, N 18 ff., N 26 und N 30 zu OR 398
  • FELLMANN WALTER, Berner Kommentar, Bern 1992, N 407 ff. + N 418 zu OR 398
  • WESTERMANN HARM PETER (Hrsg.), Handkommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, 8. Auflage, Münster 1989, S. 1497 + S. 2008 f.

Weiterführende Informationen

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